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01 Apr 2015

“Die Zukunft wird scharf!” – Interview zum Thema 4K mit Sven Deutschmann

„Schärfer als rote Peperoni“

Die Geschichte der optischen Speichermedien, die Anfang der achtziger Jahre mit der weitgehenden Ablösung der Schallplatte durch die Compact Disc (CD) begann, ist inzwischen lang. Gleiches gilt für die Liste der verschiedenen Speichermedien, die seitdem auf den Markt gekommen sind – CD, DVD, Super Audio CD, HD DVD oder Blu-ray Disc, um nur die bekanntesten zu nennen. Treiber für die kontinuierliche Weiterentwicklung der physischen Datenträger war der unter anderem der höhere Bildauflösung geschuldete größere Speicherbedarf. Unter dem Kürzel 4K kündigt sich seit einiger Zeit die nächste Evolutionsstufe an. Sven Deutschmann, der bei arvato für den Bereich Replication verantwortlich zeichnet, erläutert, warum die Zukunft noch schärfer wird.

Sven Deutschmann, Geschäftsführer arvato Replication

Sven Deutschmann, Geschäftsführer arvato Replication

Gernot Wolf: Herr Deutschmann, fangen wir mal mit einer vermeintlich einfachen Frage an: Was ist 4K?

Sven Deutschmann: Rein technisch gesprochen, handelt es sich bei 4K oder Ultra HD um den Nachfolger des Full-HD-Standards. Ultra HD verfügt über 2160 Pixelzeilen und 3840 Pixelspalten. Das entspricht einer Verdopplung der Full-HD-Auflösung und einer Vervierfachung der Pixelzahl von rund zwei auf annähernd acht Millionen pro Bild.

Etwas einfacher ausgedrückt, bietet 4K ein noch brillanteres Bild mit einem deutlich größeren Farbraum und einer höheren Auflösung als Full-HD. Außerdem ergibt sich durch den sogenannten einen HDR-(High Dynamic Range) Modus damit ein deutlich kontrastreicheres Bild.

Sven_Deutschmann_4K_Interview_Infografik

Gernot Wolf: Die Zukunft in unseren Wohnzimmern wird also schärfer und bunter?

Sven Deutschmann: So scharf und bunt wie rote Peperoni. Das ist aber nicht der eigentliche Grund für die Entwicklung von Ultra HD. Für einen normalen Flachbildschirm mit einer Bildschirmdiagonale von 30 bis 40 Zoll reicht die Full-HD-Auflösung vollkommen aus. Doch der Trend in unseren Wohnzimmern geht hin zu immer größeren Bildschirmen mit zum Teil wirklich beeindruckenden Ausmaßen. Und da taucht dann irgendwann ein optisches Problem auf. Um das Bild auf diesen riesigen Monitoren genießen zu können, muss man entweder die Entfernung zum Bildschirm erhöhen oder halt die Auflösung des Bildes.

Gernot Wolf: Das heißt größer ist nicht immer besser?

Sven Deutschmann: Das will ich so nicht sagen. Ultra HD bringt schon einige Vorteile, vor allem brillantere Farben und höhere Kontraste. Das neue, hochauflösende Format birgt aber auch einige, vor allem technische Herausforderungen. Denken Sie nur an das Thema der Video-Aufnahme. Aufgrund der höheren Pixelzahl benötigt jedes 4K-Bild auch viermal so viel Speicherplatz wie eine Full-HD-Aufnahme. Zudem benötigt die 4K-Technik eine Bildwechselfrequenz von 120 Hertz, was 60 Einzelbildern pro Sekunde entspricht. Full HD kommt hingegen mit 24,25 oder mit 30 Vollbildern pro Sekunde aus. Die Frequenz von 60 Bildern muss natürlich bereits bei der Aufnahme realisiert werden, was zur Folge hat, dass der Speicherbedarf nochmals immens steigt.

Gernot Wolf: Und damit stößt man an Grenzen.

Sven Deutschmann: So ist es. In der UHD-Blu-ray Norm aus dem Jahre 2014 wird eine Datenrate von bis zu 14,93 Gbit/s beschrieben. Die Kamerasysteme für die ultrahochauflösenden Filme arbeiten wegen der großen Datenmengen deutlich langsamer als Geräte mit geringerer Bildauflösung. Zudem kommt ein Ultra HD-Film mit zwei Stunden Länge selbst bei einer optimalen Komprimierung mit dem Standard H265 auf stattliche 100 Gigabyte.

Gernot Wolf: Und das ist zu viel?

Sven Deutschmann: 100 Gigabyte sind zumindest ein ganz schönes Brett. Das größte optische Speichermedium, das derzeit standardmäßig auf dem Markt ist, ist die Blu-ray Disc, mit einer Kapazität von gerade einmal 50 Gigabyte.

Gernot Wolf: Aber Sie arbeiten an einer Lösung dieses Problems?

Sven Deutschmann: Ja, natürlich. Wir bei arvato verfügen bei der Entwicklung von physischen Datenträgern über jahrzehntelange Erfahrung und sind in der Vergangenheit schon mehr als einmal technischer Vorreiter gewesen. Beim Format der Ultra HD Blu-ray Discs (UHD BD) stehen wir sozusagen in den Startlöchern. Unsere Techniker setzen sich schon seit geraumer Zeit mit dem Thema auseinander, wir beobachten den Markt, pflegen Branchenkontakte, beispielsweise in der Future Media Group, und sprechen natürlich mit unseren Kunden und dem Anlagen-Hersteller Singulus.

Gernot Wolf: Hat die UHD BD aus Ihrer Sicht denn überhaupt das Potenzial zum Massenmarkt?

Sven Deutschmann: Als Geschäftsführer eines der führenden Replikationsunternehmen der Welt hoffe ich natürlich darauf, dass sich die UHD BD am Markt durchsetzt. Realistisch betrachtet, sehe ich das aber eher skeptisch. Denn neben den bereits angesprochenen Herausforderungen gibt es derzeit noch ein paar weitere Aufgabenstellungen. Es fehlen allgemeingültige Spezifikationen und Lizenzbedingungen; außerdem gibt es im Markt noch keine 4K-fähigen Player und selbst die modifizierten BD Replikations-Maschinen existieren nur im Versuchsstadium. Darüber hinaus haben die Streaming-Dienste beim Thema 4K die Startblöcke bereits verlassen.

Gernot Wolf: Was heißt das?

Sven Deutschmann: Digitalplattformen wie Netflix und Amazon Instant Video bieten heute schon vereinzelt Filme in Ultra HD-Auflösung. Sie sind derzeit in der Pole-Position, gewinnen immer mehr Kunden und werden sicherlich versuchen, ihren Vorsprung auszubauen. Uns Disc-Herstellern läuft bei dem Thema die Zeit davon. Es müssten in allernächster Zeit die Standards festgelegt werden und die UHD-BD Player verfügbar sein. Danach sieht es aktuell leider noch nicht aus.

Gernot Wolf: Wie steht es denn um die Nachfrage Ihrer Kunden nach Ultra HD-Angeboten?

Sven Deutschmann: Nach meiner Einschätzung ist die Nachfrage sowohl nach entsprechenden Discs als auch nach 4K-Streaming-Angeboten derzeit noch sehr überschaubar. Das liegt unter anderem an der Tatsache, dass es auf der Konsumentenseite in den Haushalten bislang nur sehr wenige Ultra-HD-fähige Endgeräte – sprich Fernseher und Player – gibt. Das wird sich aber perspektivisch ändern und dann wird sich auch zeigen, ob es noch ein massenmarkttaugliches Nachfolgeprodukt der heutigen Blu-ray Disc geben wird.

Gernot Wolf: Herr Deutschmann, herzlichen Dank für diesen interessanten Blick in die Zukunft.

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