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12 Feb 2015

Digitale Transformation: (R)evolution statt Stillstand  

Blasen hatten wir in den vergangenen Jahren eigentlich genug. Erleben wir nach der Dotcom-, der Internet- und der Web-2.0-Blase nun eine Transformationsblase? Sicher nicht! Es ist wohl nicht übertrieben, die durch die Digitalisierung ausgelösten Veränderungen als die größten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Umwälzungen seit der industriellen Revolution zu betrachten.

Die Digitale Transformation findet eigentlich schon seit Jahrzehnten statt. Man denke beispielsweise an die technischen Umwälzungen im Druck-Bereich, die bereits in den 80er Jahren begannen, oder an den unaufhaltsamen Siegeszug des Computers in den vergangenen Jahrzehnten. Der Begriff Digitale Transformation, wie er heute für die tiefgreifenden Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft genutzt wird, ist aber noch relativ jung. Erstmalig tauchte er 2011 in einer Studie des MIT Center for Digital Business und des Beratungsunternehmens Capgemini auf. „Nur ein Drittel der globalen Unternehmen haben ein effektives Programm zur digitalen Transformation in der Schublade”, heißt es darin. Seitdem gibt Capgemini mindestens einmal jährlich einen Bericht zur Digitalen Transformation heraus.

Das, was sich seit der Jahrtausendwende massiv verändert und aus Visionen reale Produkte gemacht hat, ist die Mobilisierung der Technologie und damit ihre Zugänglichkeit und Akzeptanz in der Gesellschaft. Was ist in letzter Zeit nicht alles an neuen digitalen Möglichkeiten hinzugekommen! Smartphones machen das Web und seine Funktionen überall verfügbar. Durch Apps bieten sich völlig neue Einsatzmöglichkeiten, die mit stationären PCs gar nicht umsetzbar wären. Wearables wie Smartwatches oder Fitness-Armbänder liefern uns bei jedem Schritt digitale Informationen, ohne dass wir sie bewusst nutzen. Das Internet of Things ermöglicht die Kommunikation von Maschinen untereinander ohne aktives Zutun der Benutzer. Cloud Computing führt alle Geräte überall zusammen. Mit Hilfe von Big Data erkennen wir immer neue Zusammenhänge, Optimierungs- und Innovations-Potenzial.

Digitale Transformation – Ende der Veränderungen nicht in Sicht

arvato CEO Achim Berg

arvato CEO Achim Berg

arvato CEO Achim Berg hat den Begriff Digitale Transformation kürzlich in einem Artikel für die Huffington Post so beschrieben: „Ausgehend von ersten Veränderungen in einzelnen Branchen wie etwa der Medienindustrie hat die Digitale Transformation in der vergangenen Dekade fast alle Bereiche der Wirtschaft zumindest evolutioniert, in Teilen sogar revolutioniert. Ein Ende dieser tiefgreifenden Veränderungen ist noch lange nicht in Sicht.“ Als Jurymitglied beim Digital Transformation Award 2014 (hier die Preisträger) gab er Mitinitiator Karl-Heinz Land für die Wirtschaftswoche ein Interview. Darin skizziert er unter anderem, welche Veränderungen er für arvato in den Bereichen Service, Handel und Logistik erwartet:

Chancen und Risiken der Digitalen Transformation lassen sich gut am Beispiel der vieldiskutierten Taxi- und Chauffeurs-App „Uber“ beleuchten. Uber bietet auf seiner Plattform sowohl professionellen Limousinen-Fahrern wie auch Privatpersonen die Möglichkeit, Fahrten von A nach B anzubieten, sodass Menschen, deren Ziel auf dieser Strecke liegt, gegen Gebühr mitfahren können. Dabei ist Uber in den meisten Fällen deutlich günstiger als der durchschnittliche Taxi-Preis. Die Digitalisierung der Aufgabe von Taxizentralen und der anhängenden Infrastruktur zur Vermittlung von Fahrten in einer innovativen App und Plattform stellt das bisherige Geschäftsmodell der Taxi-Unternehmen grundlegend infrage. Im Falle von Uber hat sich die Branche aber nicht dazu entschieden, die Chancen zu analysieren und sich selbst entsprechend weiterzuentwickeln, sondern sie versucht – zumindest in Deutschland – den neuen digitalen Wettbewerber einfach wegzuregulieren.

Wer zu spät kommt … Transformationen in der Geschichte

Dabei gibt es – rückblickend betrachtet – genügend Beispiele, die zeigen, dass tiefgreifende Transformationen Positives bewirken können – aber auch, was passiert, wenn man den Zug der Zeit verpasst. Denn die Geschichte lehrt uns ja: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben – oder, besser gesagt, der Verbraucher. Ein paar „historische“ Beispiele gefällig?

Von der Kutsche zum Auto

Ganz und gar nicht digital war die Transformation von der Kutsche zum Auto. Aber dieser historische Prozess ist mit der digitalen Transformation durchaus vergleichbar. Denn der Wandel von der einen Technologie zur anderen hat uns als Menschheit unglaublich viele Vorteile gebracht. Etwas anders haben das damals Hufschmiede, Stallmeister und Kutscher gesehen und sind schnell eines Besseren belehrt worden. Denn eine Technologie, die unser Leben einfacher, schneller und mobiler macht, die ist, das zeigt der Siegeszug des Automobils, unaufhaltsam.

Von der analogen zur digitalen Kamera

Deutlicher als am Beispiel der Fotobranche kann man die disruptive Kraft der Digitalen Transformation wohl nicht zeigen: Digitalkameras haben ihre analoge Konkurrenz innerhalb weniger Jahre fast vollständig vom Markt verdrängt. Das digitale Produkt ist schneller, günstiger und viel einfacher zu nutzen. Eines der prominentesten Opfer dieses Wandels ist der einstmalige Weltkonzern Kodak, der die Transformation nicht schnell genug schaffte.

Von analogen zu digitalen Tonträgern

Ganz ähnlich wie in der Foto- und Filmindustrie, hat sich im Musik-Business eine digitale Verlagerung vollzogen: zunächst  von den analogen Tonträgern Schallplatte und Kassette hin zum digitalen Speichermedium der CD, dann von der CD zum MP3-Format und damit vom physischen zum virtuellen Produkt, das nur noch als Datei auf Computern und mobilen Abspielgeräten der Kunden existiert. Eine Entwicklung, die uns bei arvato im Geschäftsbereich Replication nicht nur beschäftigt, sondern auch betroffen hat. In Kürze werden wir an dieser Stelle ein erstes konkretes Beispiel vorstellen, wie wir mit den vielfältigen Herausforderungen der Digitalen Transformation umgehen.

Viele weitere Veränderungsprozesse könnte man dieser Liste hinzufügen, zum Teil auch in Bereichen, die man nicht unbedingt sofort mit Digitalisierung in Verbindung bringen würde. Die Digitalisierung einer Kupfermine etwa – auch das gibt es. Modernste IT sorgt seit 2003 dafür, dass in vier chilenischen Minen kein Minenarbeiter mehr unter Tage gehen und dort einer gefährlichen und ungesunden Aufgabe nachkommen muss. Oder: Können Sie sich vorstellen, in eine Bank zu gehen und von einem Roboter angesprochen und bedient zu werden? Unvorstellbar, sagen Sie? In Japan ist so ein digitalisierter Kundenkontakt schon heute Realität. Ein Bank-Roboter begrüßt Kunden, fragt ihre Anliegen in 19 verschiedenen Sprachen ab und leitet dann zielsicher zu einem menschlichen Kollegen weiter – ähnlich wie es ein akustisches Kundenleitsystem im Erstkontakt von Call-Centern tut.

Offener Austausch und gemeinsam „groß“ denken

Für Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen stellt sich also schon lange nicht mehr die Frage, ob sie bei der Digitalen Transformation mitmachen wollen, denn äußere Einflüsse, schneller skalierende Start-Ups und die steigenden Ansprüche der Kunden an innovative Leistungen machen ein Umdenken und Umgestalten geradezu alternativlos. Wir erleben derzeit die größte gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Veränderung seit der industriellen Revolution. Die eben genannten Beispiele geben einen kleinen Einblick in die bereits betroffenen Bereiche. Und an den nächsten technologischen Revolutionen wird schon kräftig gearbeitet: Internet of Things, Maschine zu Maschine Kommunikation, selbstfahrende Autos, die untereinander und mit ihrer Umgebung kommunizieren.

Und wie gehe ich als Verantwortlicher in einem betroffenen Unternehmen damit um? Dazu noch einmal Achim Berg: „Als CEO setze ich den strategischen Fokus. Ich zeige, wo die Reise hingeht, zeichne übergeordnete Ziele und eine Vision auf und ganz wichtig: Ich kommuniziere laufend und transparent. Dialog statt eingleisiger Kommunikation. Ich lerne von meinen Mitarbeitern und meine Mitarbeiter lernen von mir – offener Austausch und gemeinsam ‚groß‘ denken ist der Ursprung jeder innovativen Idee.“

Bei diesem wichtigen Thema interessiert uns natürlich wieder Ihre Meinung: Was ist Ihre Sicht auf die Digitale Transformation? Welche Innovationen haben das Potenzial, Branchen zu verändern?

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